Am 23. Mai 1863 wurde in Leipzig der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein gegründet, aus dem 1890 die Sozialdemokratische Partei Deutschlands hervorging. Ein Datum, das man sich merken muss? Oder ist dieses Ereignis nur noch eine Marginalie der Geschichte?
Stand 2025 sind in Deutschland 42 Millionen Menschen angestellt, knapp 4 Millionen sind selbständig oder freiberuflich tätig.
Der Koalitionspartner CDU nennt es „Klientelpolitik“, wenn die SPD sich für die Rechte der Arbeitnehmer einsetzt. Ein Koalitionspartner wohlgemerkt, der eine Fossillobbyistin mit einem Ministeramt ausstattet, damit sie die Wende zu einer unabhängigen und nachhaltigen Energieversorgung unseres Landes aktiv sabotieren kann. Mit einem Kanzler, der auf einem Gewerkschaftskongress behauptet, wenn wir nur die 8-Stunden-Woche abschaffen, wird alles wieder gut. Und mit einer eigenen “Klientel”, die häufig schlicht ein paar Innovationszyklen ihrer Branchen verschlafen hat, konstruktive Mitbestimmung der Belegschaft aber für Teufelszeug hält und stattdessen darauf hofft, mit Künstlicher Intelligenz wenigstens die Personalkosten senken zu können. Diejenigen, die Produkt und Kunden am besten verstehen, sind häufig die ersten, die der Bot ersetzt.
Wollen wir diese Technologie, die das Potenzial hat, uns alle unfreier und abhängiger zu machen, einfach unreguliert auf uns zurollen lassen? Noch eine Epochenwende, während weiterhin die Armen ärmer, die Reichen reicher, die Meere wärmer, die Gletscher kleiner, und die Fluten und Stürme zerstörerischer werden?
Wollen wir uns von der Lösung unserer gewaltigen Menschheitsprobleme, mit denen wir alle Hände voll zu tun haben, wirklich von denen ablenken lassen, die behaupten, die Migranten und Sozialschmarotzer seien an allem Schuld?
Und, die Frage muss gestellt werden, wollen wir freiwillig immer dümmer werden oder haben wir noch den Mut zum Selberdenken?
Auf den Tag genau heute vor 163 Jahren wurde die SPD gegründet. Sie hat seitdem viel erreicht, und manche sagen, sie habe sich durch das Erreichte überflüssig gemacht.
Wenn man im Willy-Brandt-Haus in Berlin vor der Skulptur des Mannes steht, der von 1969 bis 1974 der erste sozialdemokratische Kanzler der Bundesrepublik war, kann man hinter seinem Rücken drei Worte lesen: Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität.
Wenn diese Worte für uns heute wie sentimentaler kalter Kaffee klingen, woran liegt das? Liegt es daran, dass sie für unsere Gesellschaft nicht mehr relevant sind - oder daran, dass wir jede Hoffnung aufgegeben haben, sie zu verwirklichen?
Wenn es die SPD nicht gäbe, man müsste sie erfinden. Da es sie gibt, aber immer weniger sie wählen, müssen wir sie vielleicht neu erfinden.
Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, liebe Genossin SPD. Jetzt erstmal Prost, und dann wird aber reingehauen, denn es gibt viel zu tun!